[de-ergo] NEO-Layout

Johannes Rumpf johannes at rumpf.name
Thu Jul 22 11:29:50 CEST 2004


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Hallo Hanno,

hier auf der Liste passierte seit ich mich vor ca. 2 Monaten subscibiert
habe nett viel. Schön das jetzt was passiert.

Meine Meinung zu dem Thema:
Die Menschen heute lernen doch alle Naselang ein neues Technisches Gerät
mit neuer Tastatureingabe zu bedienen - Handy T9, Palm, Fernbedienungen
usw. Insofern ist meiner Meinung nach einer der Haupthinderungsgründe
das so ein Ding eingeführt wird nicht die Tastatur an sich sondern das
die Zeichen die gerade verwendet werden nicht auf den Tasten stehen.

Mein Vorschlag:
Eine Tastatur -am besten Ergonomisch - auf der die Tasten das aktuell
verwendete Layout anzeigen.

Sollte eigentlich mit einer USB-Tastatur machbar sein. Bin in diesen
Dingen aber zu wenig Techniker. Bedarf ist schon bei jenen zu spüren die
z.b. Asiatisch und Deutsch und Englisch als Layouts installiert haben.


Ansonsten finde ich dein Layout sehr cool und würde mich freuen wenn du
es mal als Installierbares Layout rummailen tätest.

Hier noch ein paar Anmerkungen von mir als Programmierer. Ich persönlich
~ wechsele sobald ich Programmiere auf das Englische Layout da dann die
Tasten ;,./\ nicht per Kombination gedrückt werden müssen.


Soweit

cheers Joe


Hanno Behrens schrieb am 22.07.2004 11:02  folgendes:

| Hallo
|
| nachdem ich schon Hartmut Goebel kurz ein neues, ergonomisches Design
| vorgestellt habe, will ich das auch nochmal kurz hier in der
| Mailingliste wiederholen. Das neue Layout nennt sich als Arbeitstitel
| NEO und basiert auf den Erkenntnissen von Dvorak, Meier, eMeier
| beziehungsweise de-ergo. Die bereits durchgeführten Untersuchungen zur
| Ergonomie sind dabei meine Basis, die ich durch Überlegungen zu
| Buchstabenhäufigkeit und Häufigkeit von Buchstabenfolgen erweitert habe.
|
| Ergonomische Layouts existieren bereits seit Dvorak und sogar noch
| früher, dennoch hat sich nichts getan, was Akzeptanz oder überhaupt
| Bekanntheit solcher alternativer Layouts angeht. Sämtliche Versuche, der
| Menschheit eine vernünftiger Methode der Texteingabe zu geben, sind
| bislang als mehr oder weniger gescheitert zu betrachten und ich habe
| kein Interesse weitere Windmühlenkämpfe auszutragen.
|
| Statt dessen sehe ich für mich selbst als Vielschreiber an
| elektronischen Tastaturen, der permanent am Rande von
| Sehnenscheidenentzündungen steht und viel Zeit am Tag mit Schreiben
| verbringt, an einer Stelle, wo er denjenigen, die berufliche
| Notwendigkeit von schneller Erledigung von Schreibarbeit und dergleichen
| sehen, eine Chance gibt, von meinen eigenen Entwicklungen zu
| profitieren, die ich weniger für die Menschheit allgemein, sondern vor
| allem für meine eigenen Bedürfnisse entwickeln will.
|
| Die Notwendigkeit schneller Texteingabe wird mit dem immer stärkeren
| Anteil von Online-Chats, sei es IRC oder ICQ, immer spürbarer. Denn
| nehmen wir eine typische Chatkommunikation mit mehreren Teilnehmern,
| dann zeigt die Beobachtung, dass man durchschnittlich nur etwa eine
| Minute hat, um eine Antwort zu formulieren. Ich selbst schreibe
| 10-Fingersystem auf QWERTZ seit knapp 20 Jahren und komme auf etwa 300
| bis 340 Anschläge, das macht in der deutschen Sprache etwa 50-60 Worte
| in der Minute. Um verständliche Gedankengänge oder Argumentationen
| darzustellen und auch noch etwas Zeit für Überlegungen zu haben, wie man
| es im Gespräch gewohnt ist, zeigt sich diese Leistung als nicht
| ausreichend, denn am Ende bleiben von der Zeit für 50 Worte vielleicht
| noch die Zeit für 10 oder 15 übrig, die man mühsam eingehackt kriegt,
| bevor die Diskussion sich weiterentwickelt und das eigene Argument
| untergeht.
|
| Das Verfassen von Texten, selbst beim Programmieren oder Systemarbeiten
| hängt meine eigene Arbeitsleistung oftmals spürbar an diesem
| Eingabelimit, beziehungsweise dieses Limit ist selbst bei der
| Programmierung ein spürbarer Faktor.  Ergonomische Layouts versprechen
| zwischen 30% und 95% höhere Schreibgeschwindigkeiten, die aufzuwendende
| Arbeit von maximal 100 Arbeitsstunden zum Erlernen ist ein durchweg
| akzeptabler Preis, das Zurückschalten auf das ursprüngliche Layout ist
| nach Berichten aus dem Netz anscheinend auch kein Problem.
|
| Warum ein neues Layout und nicht die Wahl auf existierende Layouts?
|
| Da mein Ziel weder (Schein-)Kompatibilität mit bisherigen Layouts ist
| oder andere weltverbesserliche, überregionale Ansprüche, sondern ich den
| simplen Wunsch auf die Verbesserung meiner eigenen Fähigkeiten an der
| Tastatur verwirkliche, rein auf Effizienzbasis, fallen eine Menge
| Paradigmen weg, an die sich andere Layoutdesigner gebunden fühlten.
| Ebenfalls haben sich die Schreibgewohnheiten seit den 70er Jahren leicht
| verändert, was Veränderungen in den Buchstabenstatistiken nach sich
| gezogen hat. Das "Y" beispielsweise wird heute häufiger verwendet, durch
| den Gebrauch von Anglizismen, als in der Vergangenheit. Da meine
| persönlichen Ansprüche allerdings durchaus auf andere Nutzer zutrifft,
| denke ich, läßt sich die Entwicklung auf viele Benutzer übertragen und
| Erfahrungen sind für mich in beiden Richtungen nützlich. Eine
| Veröffentlichung ist sinnvoll und vielleicht sogar nutzbringend.
|
| Die Paradigmen, auf denen das neue Layout basiert, sind folgende:
|
|  1. das schnellste und komfortabelste Schreiben findet auf der
|     Grundlinie statt, folglich sollten alle häufigen Zeichen sich auf
|     dieser Grundlinie befinden
|  2. die Buchstabenpaare, die am häufigsten aufeinander folgen, sollten
|     auf beide Hände verteilt werden, das ist ebenfalls für die
|     Schreibgeschwindigkeit positiv
|  3. lassen sich bestimmte Buchstabenfolgen konzeptionell nicht auf
|     beide Hände verteilen, so sollten sie Trommelabläufen von innen
|     nach außen folgen, optimaler Weise mit einem Finger dazwischen,
|     sprich von Zeigefinger auf Ringfinger oder kleinen Finger, vom
|     Mittelfinger auf kleinen Finger und notfalls umgekehrt, immer
|     streng nach Häufigkeitsverteilungen geordnet.
|  4. die stärkste Belastung sollte auf Zeige- und Mittelfinger liegen,
|     die obere Reihe ist der unteren vorzuziehen, Ring- und kleiner
|     Finger sollten möglichst wenig in die Ober- oder Unterreihe
|     ausweichen müssen.
|  5. es soll ein Layout für Rechtshänder werden, denn ich bin
|     Rechtshänder. Linkshänder können das Layout notfalls umkehren,
|     darum mache ich mir keinerlei Gedanken
|  6. die deutsche Sprache hat Vorrang, da sie mein
|     Hauptkommunikationsmittel ist, danach folgen Rücksichtnahme auf
|     die englische Sprache, Anglizismen, Programmierung und
|     Shellbefehle (Unix).
|  7. ist der Platz für eine Taste statistisch ambivalent ein neuer oder
|     der alte Platz, sollte sie der leichteren Umlernbarkeit auf dem
|     alten Platz bleiben
|  8. ist der Platz für eine Taste statistisch ambivalent, sollte sie in
|     logischen Blöcken angeordnet bleiben, da Erlernbarkeit und
|     Geschwindigkeit durch ausnutzen von Mnemoblöcken einen Vorteil
|     verspricht. Zudem ist eine solche Ordnung für einen
|     "Sichtschreiber" einfacherer.
|  9. unvermeidbare "worst case" Szenarien, wie das Hoch- Runterspringen
|     von Fingern sollten statistisch irrelevant bleiben
| 10. herkömmliche Tastaturen sollen Verwendung finden, ergonomische
|     Neuordnung der Tasten ist nicht geplant (obwohl einige Ideen dazu
|     bestehen)
|
| Die bisherigen Layouts verletzen oft mehrere dieser Paradigmen, weshalb
| ich mir Gedanken für eine grundsätzliche Neustrukturierung gemacht habe.
| Zwar stellt die Verteilung der Vokale auf die linke Hand durch Dvorak
| einen guten Heurismus dar, mit dem einige der wichtigsten Paradigmen
| eingehalten werden und Meier hat diese Anordnung mit seiner Tastatur in
| einer Weise verbessert, an der ich zur Zeit keinerlei weitere
| Optimierungsmöglichkeiten mehr sehe, aber was die Anordnung der
| Konsonanten angeht, sind bisherige Layouts, zumindest nach diesen
| Paradigmen, noch unbefriedigend und lange nicht optimal.
|
| Machen wir uns nichts vor - das optimale Layout ist eines, das man
| statistisch aus etwa 30 und mehr Fakultät Möglichkeiten herausfischen
| müsste, es wird immer ein Layout geben, das noch etwas besser ist als
| das, was man entwickelt hat. Mein Ziel ist es deshalb nicht, jenen
| heiligen Gral zu finden, sondern etwas, das von Heuristiken
| -Erfahrungswerten- profitiert, eine gute Annäherung an dieses Optimum
| darstellt. Eine solche Heuristik scheint mir etwa die Dvorak-Idee zu
| sein, die Vokale auf die linke Hand zu verlagern. Dass diese Belegung
| ziemlich optimal ist, läßt sich sogar statistisch nachweisen, wenn man
| sieht, dass EN, ER, DE, ND und UN zu den häufigsten Buchstabenfolgen der
| deutschen Sprache gehört. Folglich sollten E und U auf einer Hand
| liegen, ND auf der anderen. Diesen Gedankengängen kann man weiter durch
| die Sprachstatistik folgen und am Ende liegen praktisch alle Vokale
| sinnvoll auf einer Hand. Die Kryptologie liefert hier teilweise
| exzellentes Material über Buchstabenhäufigkeit und -verteilung, auf die
| ich mich stütze.
|
| Die sich daraus ergebenden, weiteren Schlussfolgerungen führen am Ende
| zu einem Layout, das ich hiermit vorstellen möchte. Es ist noch in
| Erprobung, aber erste statistische Tests zeigen, dass meine Paradigmen
| der Entwicklung recht geben. So habe ich etwa einen Test mit den
| häufigsten deutschen Worten und Wortbildungen auf verschiedene Layouts
| laufen lassen und bekam folgendes Ergebnis auf der Grundreihe:
|
| QWERTZ    - 75 Worte
| Dvorak     ~ 1400 Worte
| de-ergo    ~1600 Worte
| NEO     > 3600 Worte
|
| Dieses Ergebnis ist schon mal vielversprechend, obwohl mein Ziel
| keinesfalls war, möglichst viele Worte auf die Grundreihe zu bringen.
| Das ist nur ein statistischer Nebeneffekt der Häufigkeitsverteilung
| meines Designs, der mich selbst überraschte. Erste Gehversuche geben ein
| ziemlich rundes Schreibverhalten des Layouts wider, allerdings stehen
| ausgiebige statistische Tests über das Tastverhalten noch aus und werden
| von mir in den nächsten Tagen nachgeliefert. Notfalls behalte ich mir
| Änderungen des Designs vor, sollte ich Fehler darin finden.
|
| Für diejenigen, die das Layout testen wollen, existiert eine Keymap für
| Linux/xkb, die ich bisher, vorerst nur zum Test, als Untergruppierung
| des Dvorak-Layouts implementiert habe, zudem ein Schreiblern-Test, der
| sich so nah wie möglich am DIN-Schreibmaschinenkurs hält, aber für das
| neue Mapping angepasst wurde und dort aufhört, wo die Gemeinsamkeiten
| des QWERTZ-Layouts und dem NEO beginnen, sprich bei den Zahlen und den
| Testbriefen.
|
| Hartmut Goebel bot sich an, die entsprechenden Files bei Bedarf auf
| seiner Homepage bereitzustellen und so einen zentralen Punkt zu schaffen.
|
| Als nächste Schritte werde ich Testergebnisse des Layouts liefern,
| einige Statistiken mit üblichen Texten, außerdem hoffe ich, dass ein
| Freund für mich das Layout für Windows XP übersetzt.
|
| Hier das NEO-Layout in seiner bisherigen Fassung:
|
| 1 2 3 4 5 6   7 8 9 0 - ´
| Q V L C W | K H G F J ß/?
| U I A E O | S N R T D Y
| Ö Ü Ä P Z | B M , . X
|
| Statistiken für NEO
| Obere Reihe: 20%
| Mittelreihe: 70%
| Untere Reihe: 10%
|
| Rechte Hand 53 %
| Linke Hand  47%
|
| Finger von links nach rechts
| 4%, 8%, 9%, 26%; 27%, 13%, 8%, 5%
|
| Kommentare erwünscht.
|
| Hanno Behrens
|
|
|
| _______________________________________________
| de-ergo mailing list
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